Mikroplastik im Fokus

Lange Zeit standen die Vorteile von Kunstrasen im Blickpunkt. Jetzt steht das künstliche Grün aus einem anderen Grund im Fokus. In der aktuellen Diskussion geht es um einen Aspekt, der bis vor einiger Zeit kaum jemandem bewusst war: Der Kunstrasen steht im Verdacht, Umweltsünder zu sein. Das Problem: Mikroplastik, feinste Plastikteile, die bei der Nutzung in die Umwelt gelangen. Dabei gilt das besondere Augenmerk dem Granulat, mit dem die meisten Kunstrasenplätze verfüllt sind. Letztlich gilt aber zurzeit jede Faser des Kunststoffrasensystems als mögliche Quelle der neuen Art von Umweltverschmutzung.

Da dieses Thema Sportler, Vereine und Kommunen gleichermaßen betrifft, sorgt es zurzeit im gesamten Land für Gesprächsstoff. Das Problem: Noch gibt es zu der nun omnipräsenten Diskussion nur wenige verlässliche Zahlen und Lösungsansätze. Entsprechend ist in Gerüchten alles zu hören: Von der Schließung aller Kunstrasenplätze bis zum Verbot von deren Neubau. Nichts davon ist bisher bestätigt. Fest scheint dagegen zu stehen, dass der Kunstrasenplatz – so eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik – neben Abrieb von Autoreifen und Verpackungsmüll zu den drei größten Emittenten von Mikroplastik zählt.

Die Studie des Fraunhofer-Institutes bezieht sich vor allem auf eine Untersuchung auf hochverfüllten Kunstrasenplätzen in Schweden, die mit ca. 15 kg Gummigranulat pro Quadratmeter verfüllt sind. In Deutschland werden lediglich ca. 5 kg pro Quadratmeter eingestreut. Dies sind signifikante Unterschiede, was das Problem zwar verringert, aber nicht aus der Welt schafft.

Die Europäische Chemikalienagentur(ECHA) beschäftigt sich im Auftrag der EU-Kommission intensiv mit Möglichkeiten, den Einsatz von Mikroplastik zu verhindern. Zu hören ist, dass die ECHA ein Verbot von ‚bewusst zugesetztem‘ Mikroplastik auf EU-Ebene empfiehlt. Die Rede ist dabei von einem Start im Jahr 2022.

Für neu zu bauendende Plätze würde dies einen gesetzlich vorgegebenen Verzicht auf Kunststoffgranulate bedeuten. Diese Entwicklungen schlagen sich bereits ohne gesetzliches Verbot im Alltag nieder. Schon jetzt haben erste Kommunen die Ausstattung neuer Anlagen entsprechend angepasst. So verzichten etwa Hamburg und Wiesbaden völlig auf Gummigranulat-Infill.

Was aber passiert mit den bestehenden Anlagen? Noch gibt es nur Tendenzen, wie aber wird die Zukunft der Kunstrasenplätze aussehen? Vereine und Kommunen sind verunsichert. Was, wenn dem Kunstrasen mit Granulat als Infill tatsächlich in seiner jetzigen Form die Rote Karte gezeigt wird? Im Gespräch ist die Forderung nach einem Bestandsschutz bzw. einer Übergangsfrist von mindestens sechs Jahren, um die zu erwartenden erheblichen Investitionen für die Sanierungen stemmen und den Sportbetrieb auf den Anlagen weiterführen zu können.

Eine kurzfristige flächendeckende ‚Sanierung‘ aller betroffenen Plätze scheint dagegen aus finanzieller wie auch rein terminlicher Sicht dagegen kaum realisierbar. Nur wenige Kommunen dürften die Mittel in ihren Budgets einfach zur Verfügung haben. Mindestens ebenso schwierig ist die Vorstellung, dass der Spielbetrieb auf allen betroffenen Plätzen für eine Überarbeitung eingestellt werden soll.

Ob kurzfristig oder nach einer gewissen ‚Schonfrist‘ – wenn das Granulat in der bisherigen Form nicht mehr ausgebracht werden darf, wo findet sich Ersatz? Im Umbau in Naturrasenplätze? In Systemen ohne Infill? Oder ersetzen neue Materialien die alten Granulate? Wegen der Brisanz des Themas laufen schon Recherchen zu Alternativen auf Hochtouren, vor allem soweit es das Infill von Kunstrasenfeldern betrifft. Oft genannt in diesem Zusammenhang sind reine Sandverfüllungen ebenso wie Kork als Ersatzstoff für bisher verwendete Granulate. Parallel laufen aber auch Forschungen nach völlig neuen Materialien und Systemen, die künftig eingesetzt werden könnten.

So entwickeln die Hersteller bereits Systeme mit unterschiedlichen Kunststofffasern, die – teils ohne Infill - den hohen Standard der Plätze mit Kunststoffgranulat-Verfüllung ersetzen könnten. Abzuwarten bleibt, wie sich das Thema des Abriebs und der Entsorgungsproblematik in Zukunft entwickelt.

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